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16.05.2019
Anlage: Klimaschutz in Zahlen
Antwort des Projektträger Jülich aus Berlin:

 

Vielen Dank für Ihr Interesse an der Kommunalrichtlinie und an den Aktivitäten Ihrer Gemeinde im Klimaschutz.

Bezogen auf Ihre Frage zur Pflicht einer durchgehenden Beleuchtung können wir Ihnen mitteilen, dass eine solche Vorgabe als Förderkriterium weder in der Kommunalrichtlinie vom 22.06.2016 noch in der aktuellen Richtlinie vom 01.10.2018 vorhanden war oder ist.
So heißt es im Merkblatt „Investive Klimaschutzmaßnahmen“ zur Kommunalrichtlinie vom 22.06.2016, die bis Ende 2018 galt:

Voraussetzung für eine Förderung ist:
- (…),  dass die CO2-Emissionen jedes Leuchtensystems der Außen- und Straßenbeleuchtung um mindestens 70 Prozent gegenüber dem IstZustand gemindert  werden und dass die neuen Leuchtensysteme eine angemessene wirtschaftliche Amortisationszeit aufweisen;
bzw.
- (…), dass die CO2-Emissionen jedes Leuchtensystems der Außen- und Straßenbeleuchtung um mindestens 80 Prozent gegenüber dem IstZustand gemindert und das die LED-Leuchten in Verbindung mit der Nutzung einer tageslichtabhängigen Regelungs- und Steuerungstechnik ausgerüstet werden. Zusätzlich müssen die neuen Leuchtensysteme eine angemessene wirtschaftliche Amortisationszeit aufweisen.“

Wir können Ihre Bedenken bezüglich einer vermeintlich unnötigen Beleuchtung zu Nachtzeiten aufgrund einer durchgehenden Beleuchtung nachvollziehen.

 

09.05.2019
Schreiben an den Projektträger Jülich mit der Bitte um Stellungnahme zu der geäußerten Begründung von Herrn Bürgermeister Gärtner:
  "Für diese Förderung ist eine durchgehende Beleuchtung Voraussetzung".

 
 

28.04.2019
Schreiben an die Gemeinde:
Anlagen: CO2 Rechenweg & BMU Auszug

Das Gespräch und der geschilderte Werdegang unserer Straßenbeleuchtung waren für uns informativ. Den Antworten auf folgende unserer Fragen sind sie jedoch durch allgemeine Aussagen ausgewichen.

  1. Mit welcher Begründung des Projektträger Jülich / der Förderrichtlinien sollen die Straßenlaternen durchgehend betrieben werden?
  2. Wem kommt die Umstellung auf Dauerbetrieb zu Nutze?
  3. Wie ist der Widerspruch zu erklären: 

Einerseits:          Ziel: CO2-Ersprarnis durch Energiesparleuchten  (Festgeschriebenes Ziel und Forderung  des BMU, siehe BMU Richtlinie)
A
ndererseits:      Minderung der CO2-Ersparnis durch Dauerbeleuchtung

als ausdrücklich von Ihnen genannte Voraussetzung für die Förderung.

Ich habe nachgerechnet: Um den Verbrauch der neu angeschafften LED Leuchtkörper im Gegensatz zu den alten Natriumdampf Leuchtmitteln sowie die daraus resultierende CO2 Ersparnis zu ermitteln und zu verdeutlichen, habe ich eine Gegenüberstellung angefertigt. Leider ergibt sich daraus eine gravierende Differenz zu den in den lokalen Medien bekannt gegebenen Werten.

Diese Differenz befördert zwei weitere Fragen zu Tage:

- Wie kommen Ihre Angaben i.H. von 250 t/Jahr bzw. 548 t eingespartes CO2 zustande?
- Können Sie mir bitte eine nachvollziehbare Rechnung darstellen ?

Mein Rechenweg ist transparent, den angegebenen Berechnungsverfahren entsprechend und nachvollziehbar. Andere zur Verifikation angewendete Online-Rechner haben die gleichen Ergebnisse hervorgebracht.

Wenn die jetzt gültige = alte Betriebsdauer der Laternen nach der Leuchtkörper-Umstellung bestehen bleibt, ergibt sich eine CO2 Reduzierung
um ca. 15,3 t/Jahr  ~ 71,3 %   ←  (80% wurden durch BMU Gefördert; Differenz 9%)

Mit der geplanten neuen Regelung „durchgehender Betrieb mit Leistungsreduzierung“ ergibt sich demnach eine CO2 Reduzierung gegenüber Natriumdampf
um ca. 13,72 t/Jahr   ~ 64,0 %

Nach sorgfältigen Recherchen u.a. auch bei anderen benachbarten Gemeinden (SG Ostheide u. SG Lüchow), die diese Umstellung bereits abgeschlossen haben und die den Einwohnern ihre nächtliche Ruhe durch Nacht-Abschaltung weiterhin gönnen, bin ich der in Ihrer Mail erwähnten Voraussetzung nachgegangen:

Ihr Zitat:  „Zuerst im Jahr 2017, indem wir uns auf die Förderungen vom Bundesministerium für Umwelt beworben haben. Für diese Förderung ist eine durchgehende Beleuchtung Voraussetzung“.

Im BMU AuszugSanierung von Außen- und Straßenbeleuchtung für Kommunen und Gemeinden“ ist nichts Derartiges als voraussetzende Maßnahme für eine Förderung festgeschrieben, lediglich eine Treibhausgasemissionen-Mindestminderung um 70% als Einstieg für eine 20% Förderung, siehe Anlage „Auszug BMU“.

Daraus resultiert o.a. Frage zwei!

Um mehr Licht und Transparenz in dieser Angelegenheit zu bekommen, bestünde als nächstes die Möglichkeit den Projektträger Jülich um Stellungnahme zu bitten.

Uns sind diese Fragen nach wie vor wichtig!

Für klare und realistische Antworten wäre ich Ihnen sehr dankbar.

 

07.04.2019
Schreiben an die Gemeinde

Kein Beitrag zum Klimaschutz

Neuerdings Straßenbeleuchtung auch nachts ohne jede Notwendigkeit in Südergellersen.
Nachdem die Straßenbeleuchtung auf moderne LED-Beleuchtung umgestellt wurde und dabei Strom sowie der Jährliche CO2 Ausstoß um rund 250 Tonnen eingespart werde konnte, hat sich der Gemeinderat leider einem fortschreitenden negativen Trend angeschlossen, der sowohl ökologische wie auch gesundheitliche Folgen nach sich zieht. Nach schriftlicher Aussage unseres Bürgermeisters, beruhen diese Entscheidungen unter anderen an den geltenden Bedingungen beim Bezug der Fördermittel vom Bundesministerium für Umwelt, Zitat Bürgermeister: "Für diese Förderung ist eine durchgehende Straßenbeleuchtung Voraussetzung". 
Somit schaffte der Gemeinderat aufgrund der Bedingung die nächtliche Ruhezeit für die Straßenbeleuchtung ab. Bisher galt:  Die Beleuchtung wurde zwischen 24:00 - 5:00 Uhr ausgeschaltet und den Bürgern gefiel es. Jetzt leuchten die Straßen taghell und das gefällt den Bürgern gar nicht.
Teil des Strom, den man eingespart hat, wird trotz Lichtdimmung aber durchgehender nächtlicher Leuchtdauer zugunsten der Energieversorger sofort wieder verschwendet.  Ein doppeltes Ärgernis!

 
Verlust der Nacht!

Die Welt wird jedes Jahr heller! Den Schätzungen wächst die Lichtverschmutzung in Europa durchschnittlich um sechs Prozent pro Jahr. Wenn wir nicht sehr genau auf das LED-Spektrum und die Beleuchtungsstärken achten, könnte das zu einer Verdoppelung oder sogar Verdreifachung der Himmelsaufhellung in klaren Nächten führen. Hält diese rasante Entwicklung weiter an, dann wird die nächste Generation bald in ganz Europa keine einzige Stelle mehr finden, an der die Milchstraße mit bloßem Auge zu erkennen ist.  Südergellersen hat sich leider dem fortschreitenden negativen Trend, der sowohl ökologische wie auch gesundheitliche Folgen nach sich zieht, angeschlossen und baut ihn mit der Abschaffung der nächtlichen Ruhezeit (24:00 - 05:00 Uhr Straßenbeleuchtung AUS) weiter aus.

Viele Experten warnen zu Recht vor den negativen Folgen von Lichtverschmutzung für die Umwelt. Elektrisches Licht ist eine der größten menschlichen Errungenschaften und gleichzeitig einer der stärksten Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen und der Tiere.  Die künstliche Aufhellung des Nachthimmels hat direkte Konsequenzen für Mensch und Natur, denn das Leben auf der Erde hat sich in Jahrmillionen an den natürlichen Rhythmus von Helligkeit und Dunkelheit angepasst. Unser Leben mag heute ohne künstliches Licht nicht mehr vorstellbar sein, doch muss deshalb alles in einem endlosen 24-Stunden-Tag erleuchtet werden?
Künstliches Licht zur falschen Zeit kann dieses Gefüge empfindlich stören und sich damit erwiesenermaßen negativ auf das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit von Mensch und Tier auswirken, wie folgende Beispiele zeigen: 

      • tagaktive Tiere sowie Menschen brauchen die Dunkelheit zum Schlafen, Entspannen und Regenerieren.
      • nachtaktive Tiere brauchen sie für die Nahrungssuche und manche (z. B. Glühwürmchen) sogar für die Fortpflanzung.
      • Pflanzen benötigen den Rhythmus für die Photosynthese.
      • verschiedene umfangreiche Untersuchungen in England und in den USA aus den Jahren ´91, ´97 und ´03 zeigen auf, daß hell erleuchtete Straßen nicht unbedingt mehr Sicherheit bedeuten, sondern Gebietsweise sogar die Straftaten aufgrund gut ausgeleuchteter Umgebung und Häuser deutlich ansteigen lässt.

Das kleine idyllische Dörfchen Südergellersen habe ich aufgrund der „nächtlichen Schwärze“ immer sehr geschätzt.  In meiner eigenen Sternenwarte habe ich mit der Zeit jedoch gemerkt, wie stark die Lichtverschmutzung auch hier in der Gegend voran schreitet, ohne dass man sich über daraus resultierende Konsequenzen Gedanken macht. Viele lieb gewonnene Mitbürger, die aus  ihren wohlverdienten Urlaub ferner Länder heimkehren, schwärmen von dem dort beeindruckenden „Himmelszelt und der sichtbaren Milchstraße“ . Wir könnten diese natürlichen Gegebenheiten und für uns am Firmament leuchtenden Sterne auch bestaunen, ohne dafür ferne Länder bereisen zu müssen und noch mehr CO2 Emission zu verursachen! Für den Schutz der Umwelt auch in diesem Bereich müssen wir aktiv Verantwortung übernehmen. Haben wir für die bei uns herrschenden Gegebenheiten nicht selber Verantwortung zu tragen?  Diese liegt in den Händen jedes einzelnen Erdbewohners und nicht zuletzt in deren von ihnen gewählten Vertretern in den Gemeinden und Staaten. 

Ich persönlich finde diese geplante „Änderung der Straßenbeleuchtungszeiten“ nicht vereinbar mit dem allgemein verfügbaren Wissen über die nachhaltig prägenden Probleme unserer Gesellschaft.

Es gibt aber auch positive Beispiele:
In einigen europäischen Ländern gibt es bereits Gesetze zum Schutz des Nachthimmels; weitere Länder wollen nachziehen. Tschechien war der Vorreiter, Italien und Spanien folgten. Den besten Schutz gegen „Lichtsmog" bieten Straßen- und Außenleuchten, die ihr Licht gezielt dorthin lenken, wo es gebraucht wird: auf Straßen, Kreuzungen und Treppen. Moderne Straßen- und Außenleuchten – bestückt mit ausgewählten energieeffizienten Lichtquellen (z. B. LEDs) und ausgefeilten Optiken – reduzieren Lichtemissionen effektiv. Intelligent eingesetzte LED-Technologie kann auch durch ihre präzise Lichtlenkung unerwünschte Lichtimmissionen vermeiden. Darüber hinaus würde sie auch nachtaktive Insekten und Tiere schonen.

Was bedeutet diese geplante Umsetzung für die allgemeine Astronomie? Unser Wissen vom Kosmos schöpfen wir seit jeher aus der Betrachtung des Sternenhimmels. In den heutigen Ballungsräumen von Menschen sind die Nächte teilweise so stark beleuchtet, dass die Sternenbilder dagegen verblassen und kaum erkennbar sind. Ein guter und praxisnaher Vergleichs-Beispiel ist ein Besuch im Lüneburg oder Hamburg bei sternenklaren Himmel. Die professionelle Astronomie hat sich schon lange in die entlegensten Gebiete der Erde zurückgezogen, den Stadtmenschen wird der Sternenhimmel zunehmend fremd. Wir als Gemeinde können schon vor dem trägen Gesetzgeber, ebenso wie unsere mit guten Beispiel vorangegangenen Vorreiter-Nachbarländer in dieser Hinsicht auch diese geplante Umsetzung etwas attraktiver und bedachter gestalten. Präventiv und innovativ, mit den uns zur Verfügung stehenden modernen Mitteln, die die Zukunft unserer Gemeinde prägen! Lasst uns diese Chance ergreifen und sinnvoll umsetzen!

An der Wahl und Form der bereits aufgestellten LED Laternen und der dort verbauten Leuchtmittel mit hohen Blauanteil kann man nachträglich nicht mehr viel ändern, aber an der Schaltzeitregelung mit großer Sicherheit schon. Ich würde es sehr begrüßen, derart folgenreiche Entscheidungen genau zu überdenken, und im Sinne der Umwelt und der Gesundheit umzusetzen. Die vorhandenen LED-Straßenlaternen sind zugegebenermaßen für das menschliche Auge abermals heller und empfindlich unangenehmer als die zuvor abgebauten Natriumdampf-/ Quecksilberdampf- Leuchtmittel mit relativ hohen und Augen schonenden orange-gelben Farbantel.

Mein, der benachbarten und viele andere Bewohner unseres schönen Dorfes Vorschlag:

- Beleuchtung einschalten nach Dämmerungseinbruch,
- angemessene Reduzierung der Beleuchtungsintensität ab 22:15 Uhr,
- nächtliche Abschaltung nach wie vor ab 23:30 – 5:00 Uhr.

Damit hätte unsere Dorfgemeinde viel Lebensqualität gewonnen!


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